Wie entwickelt man eine digitale Strategie?

Wie entwickelt man eine digitale Strategie?

Digitale Strategie
Digitale Strategie verbindet Business und Technologie

Die meisten Unternehmen haben keine digitale Strategie sondern zwei Arten von Strategien. Erstens eine Unternehmensstrategie und zweitens eine IT-Strategie. Die IT-Strategie besteht oft aus Standardisierung und Harmonisierung. Die Unternehmensstrategie ist ein weichgespülter Kompromiss der verschiedenen Geschäftsbereiche. Das liest sich ungefähr so:  Wir wollen das beste Omnikanal Unternehmen werden und unseren Digitalumsatz substanziell steigern, ohne die bestehenden Strukturen zu schwächen. Dabei setzen wir möglichst die IT-Lösungen des Anbieters XY ein.

In der Konsequenz ist die Strategie viel zu schwammig formuliert. Man kann nicht erkennen, ob sie für einen Discounter oder einen Autovermieter ist. Es wird noch schlimmer. Wenn Innovationen nicht dem Standard entsprechen, kann die IT-Abteilung diese ausbremsen. Innerbetriebliche Reibereien sind an der Tagesordnung. Im günstigsten Fall engagiert die Geschäftsführung einen Berater. Im ungünstigsten Fall wurschtelt man einfach weiter.

Digitalisierungstheater

Hat man Pech, beginnt mit dem Berater ein großes Digitalisierungstheater. Droh- und Angstkulissen werden aufgebaut. Es muss irgendwie alles schneller gehen. Ein Workshop jagt den anderen und treibt die Organisation an den Rand des Kollapses. Die Liste der Themen reicht von Agile, Design Thinking, Lean über Hackatons bis hin zur Leidenschaft. Und wenn alles nichts hilft, ist das falsche Mindset schuld oder die Führungskräfte verstehen nichts von Digitalisierung.

In der Kaffeeküche zeigt sich ein Paralleluniversum. Die Mitarbeiter sind oft lange Zeit im Unternehmen. Es läuft alles seinen geregelten Gang und Querdenken wird nicht belohnt. Statt neugierig zu forschen, wohin sich die Arbeit entwickelt, fragen die Mitarbeiter nach Stellenbeschreibungen und Kompetenzen. Der größere Dienstwagen oder der Parkplatz in der Unternehmenstiefgarage sind das Hauptthema. Nicht die Gestaltung der digitalen Unternehmenszukunft.

In 3 Schritten zur digitalen Strategie

Bevor Sie eine digitale Strategie entwickeln, sollten Sie wissen, welche Anforderungen sie erfüllen muss:

  • Läßt sich auf einem DIN A4 Blatt innerhalb von 5 Minuten erklären.
  • Gibt allen Mitarbeitern Orientierung bei ihrer täglichen Arbeit.
  • Bleibt einige Zeit stabil.
  • Umfasst geschäftliche und IT-Technische Aspekte.
  • Grenzt den Handlungsspielraum des Unternehmens ein.

Mit diesen Anforderungen im Hinterkopf, können Sie in drei Schritten eine digitale Strategie entwickeln und in Ihrem Unternehmen verankern.

Schritt 1: Stecken Sie den Rahmen ab

Digitalisierung ist vielfältig und ändert sich permanent. Sie können nicht Alles machen und jedem Trend hinterher laufen. Deshalb müssen Sie festlegen, welche Themen für Ihr Unternehmen in der nächsten Zeit wichtig sind. Die Themen können je nach Unternehmen unterschiedlich sein. Ein Hersteller für Computerspiele hat andere Herausforderungen als ein Hersteller für Molkereiprodukte. Für die meisten Unternehmen ist unser Digitalisierungscockpit ein guter Rahmen für eine digitale Strategie.

Achten Sie bei dem Rahmen darauf, dass er einerseits nicht zu umfangreich ist und andererseits nicht zu wenig visionär. Die wichtigste Frage, die Sie Sich stellen sollten ist folgende: Kann ich durch eine geeignete digitale Plattform unsere Leistung überflüssig machen? Die Sprengkraft dieser Frage wird am Beispiel eines Herstellers für Kühlschränke deutlich. Statt internetfähige Kühlschränke zu entwickeln, lohnt es sich zu fragen, was ein Haushalt benötigt, um ohne Kühlschrank auszukommen. Mit ein wenig Phantasie kann man sich lokale Lager als Ersatz für Supermärkte vorstellen, die just in time die gewünschten Produkte zum Verbraucher liefern. Sie finden, das ist eine Fantasterei? Hätten Sie sich vor 20 Jahren vorstellen können, dass Sie mit Ihrem Handy reden oder eBooks lesen? Der Rahmen muss visionär sein!

Nehmen Sie Sich Zeit, um den Rahmen festzulegen. Treffen Sie nicht zu vorschnell Entscheidungen und beobachten Sie das Verhalten von jungen Menschen. Was ist ihnen wichtig? Wie gehen sie mit digitalen Endgeräten um? Wie unterscheiden sie sich von den älteren Menschen? An den großen digitalen Firmen können Sie erkennen, dass diese sehr strategisch denken. Amazon nimmt jahrzehntelange Verluste in Kauf, um irgendwann Gewinne abzuschöpfen. Gerade erfolgreiche inhabergeführte Unternehmen sind anfällig für einen blinden Fleck: Entscheidungen werden nur vom Inhaber getroffen. Hat dieser keinen Bezug zur Digitalisierung, veraltet das Unternehmen. Deshalb lohnt es sich, bei diesem Schritt einen Blick von Außen dazu zu holen.

Schritt 2: Setzen Sie Prioritäten

Wenn Sie den Rahmen Ihrer Strategie festgesetzt haben, müssen Sie als nächstes Prioritäten setzen. Wahrscheinlich haben Sie nicht genügend Personal und Geld, um alle Vorhaben gleichzeitig zu starten. Welche Themen aus Ihrem Rahmen sind jetzt die Wichtigsten? Mit unserem Digitalisierungscockpit können Sie für alle 10 Disziplinen einen Soll-Ist-Abgleich durchführen.

Digitalisierungscockpit Prioritäten
Soll-Ist-Abgleich zeigt die wichtigsten Handlungsfelder auf

Setzen Sie die Prioritäten so, dass Sie die Themen mit der höchsten Differenz zwischen Soll und Ist als erstes angehen. Nur so stellen Sie sicher, dass Sie neue Wege gehen und nicht das Alte neu bestätigen. Die Gefahr ist groß, dass Ihr Unternehmen das tut, was es schon immer getan hat. Statt beispielsweise in Security zu investieren, wird das interne Projektmanagement optimiert. Das liegt daran, dass Digitalisierung nach dem Eisenhower Prinzip zwar wichtig, aber nicht dringend ist. Genau deshalb brauchen Sie eine Strategie.

Schritt 3: Strategie verkünden und führen

Im dritten Schritt machen Sie Ihre Strategie im Unternehmen bekannt. Starten Sie mit einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern. Verstehen diese die Strategie? Holen Sie sich Feedback und schärfen Sie Ihre Strategie nach. Der Aufwand für eine glasklare Formulierung lohnt sich. Je besser die Strategie von allen Mitarbeitern verstanden wird, desto weniger Nachfragen gibt es. Ihre Mitarbeiter können sich anhand der Strategie ausrichten. Sobald sie wissen, wo die Reise hin gehen soll, sprudeln sie vor Ideen. Beispielsweise ist es für Menschen einfacher darüber nachzudenken, wie eine Plattform aussehen müsste, die einen Kühlschrank überflüssig macht, anstatt allgemein über Digitalisierung für Haushaltsgeräte nachzudenken.

Wahrscheinlich gibt es auch in Ihrem Unternehmen diejenigen Mitarbeiter, die sich nicht mit den Themen befassen wollen. Ausreden wie „Ich bin für diesen modernen Schnickschnack nicht geeignet“ machen die Runde. Dann ist Führung gefragt: Machen Sie den Skeptikern unmissverständlich klar, dass sie sich mit dem modernen Schnickschnack befassen müssen. An die intrinsische Motivation dieser Mitarbeiter kommen Sie nicht ran. Also müssen Sie die Verhaltensänderung von Außen anstoßen. Sie müssen die digitale Strategie in die Zielvereinbarungsgespräche Ihrer Mitarbeiter messbar einfließen lassen. Wenn Ihr Unternehmen klassisch geprägt ist, brauchen Sie dazu Rückendeckung vom Top-Management. Präsentieren Sie Ihre digitale Strategie der Geschäftsführung und lassen Sie diese abzeichnen. Nimmt die Geschäftsführung sich nicht die Zeit, gibt es zwei Erklärungsmöglichkeiten: Entweder ist Ihre digitale Strategie unverständlich oder Ihr Unternehmen will nicht digital werden. Es ist an Ihnen, dann zu entscheiden, was zu tun ist.

Weitere Beiträge zum Thema

Wie entwickelt man eine digitale Strategie?