Grobkonzept erstellen

Grobkonzept ÜbersichtGrobkonzept erstellen

Ein Grobkonzept verschafft nach dem Projektstart einen Gesamtüberblick, um das Projekt später auf Kurs zu halten. Es gibt verschiedene Formen eines Grobkonzepts. In agilen Projekten kann das eine textuelle Beschreibung der Epic’s sein. Klassisch wird gerne ein Prozessmodell verwendet.

Es ist eine der schwierigsten Aufgaben, ein gutes Grobkonzept zu erstellen. Einerseits muss das Gesamtprojekt auf wenigen Seiten dargestellt werden. Andererseits dürfen wichtige Details nicht ausgelassen werden. In unterschiedlichen Unternehmen wird das Grobkonzept anders benannt:

  • Feasibility Study (Machbarkeitsstudie)
  • High Level Design
  • Business Requirement Specification
  • Lastenheft
  • Fachkonzept
  • Proof of Concept

Es gibt leider keine Mustervorlage. Für ein kleines Unternehmen, welches keine hohen Anforderungen an den Betrieb des Systems hat, sieht ein Grobkonzept vollkommen anders aus als für einen international agierenden Konzern. Die wichtigsten Fragen sind:

  • Wozu benötige ich ein Grobkonzept?
  • Wer ist der Empfänger des Grobkonzepts?
  • Was muss der Empfänger unbedingt wissen?

Eine MindMap zum Überblick

Die Antworten auf diese Fragen legen Umfang und Inhalt fest. Für die Spezifikation eines Software Systems haben wir gute Erfahrungen mit einer MindMap gemacht. Stellen Sie das zu definierende System in die Mitte der MindMap und tragen Sie als Knoten der ersten Ebene die verschiedenen Anwenderrollen und Systeme in der MindMap ein. Falls ein Anwender mehrere technische Kanäle nutzen kann, tragen Sie diese in die zweite Ebene. Für eine fiktive Autovermietung könnte die MindMap wie folgt aussehen:MindMap einer Autovermietung

Als nächstes schreiben sie an jedem Knoten die Funktionen, welche ein Anwender benötigt. Achten Sie dabei auf den Detaillierungsgrad der Funktion. Das geht am Einfachsten, indem Sie das Ziel des Anwenders betrachten. Die Frage ist: Was möchte der Anwender in einem Schritt erreichen?

Diese Stelle ist entscheidend für die Qualität Ihres Grobkonzepts. Beispielsweise ist das Ziel eines Kunden, ein KFZ zu reservieren. Das macht er ganz oder garnicht. Um dieses Ziel zu erreichen sind möglicherweise viele Details notwendig. Von Zubehör auswählen oder Zahlungsinformationen zu erfassen bis Kundendaten einzugeben. Die vielen Details verhindern einen Überblick. Deshalb weglassen und auf die Ziele konzentrieren.

Auf die Sprache kommt es an

Wenn Sie die Ziele hinzufügen, können Sie dieses mit unterschiedlichen Wörtern tun. Gute Sätze bestehen aus Subjekt (wer), Prädikat (macht was) und Objekt (womit). Beispielsweise können Sie für die Reservierung eines KFZ des Kunden folgendes schreiben:

  • Reservierung erfassen
  • KFZ reservieren
  • KFZ buchen

Überlegen Sie, welche Bilder im Kopf eines Lesers des Grobkonzepts entstehen. „Reservierung erfassen“ könnte auch die Reservierung eines Hotelzimmers sein. Das läßt sich nicht so leicht lesen und führt zu Rückfragen. Andererseits hat die Formulierung den Vorteil, dass das Verb erfassen immer wieder verwendet werden kann. Dann geht es nur noch darum, was erfasst wird. Kundendaten erfassen, Reservierung erfassen, KFZ-Stammdaten erfassen, …

Auch wenn es etwas holperiger ist als „KFZ reservieren“, die beste Kombination ist „KFZ-Reservierung erfassen“. Einerseits ist klar, dass es sich um KFZ handelt und nicht um eine Hotelreservierung. Andererseits können wir die Anzahl der Verben stark beschränken (dazu später mehr).

Bei der Schnittstelle zu anderen Systemen kommen nur „senden“ und „empfangen“ als Verb in Frage. Ergänzt um die Ziele erhält man eine MindMap, welche einen sehr guten Überblick gibt.

MindMap mit Grobkonzept

Beim Stationsmitarbeiter müssen Sie wieder auf die Sprache achten. Sie könnten aus Sicht des Kunden „KFZ abholen“ schreiben. Allerdings sollten Sie immer aus Sicht ihres eigenen Unternehmens schreiben, deshalb „KFZ-Ausgabe erfassen“. Wenn Sie zu jedem Knoten in der MindMap in 5 Sätzen beschreiben, was geschehen soll, haben Sie ein gutes Grobkonzept. Gerne schreiben wir im Rahmen unseres IT-Projektmanagements für Sie das Grobkonzept oder schulen Sie in unseren Seminaren. Sprechen Sie uns an!

Liste der Verben für Anwenderziele im Grobkonzept

Wenn Sie häufiger Konzepte schreiben, können Sie die Verständlichkeit extrem erhöhen, indem Sie Ihre verwendeten Verben einschränken. Versuchen Sie Sich auf die folgenden Verben zu beschränken und nehmen Sie diese in Ihr Glossar auf:

  • Erfassen: Der Anwender erfasst einen neuen Datensatz.
  • Ändern: Der Anwender verändert einen bestehenden Datensatz.
  • Löschen: Der Anwender löscht einen bestehenden Datensatz.
  • Pflegen: Kombination aus Erfassen, Ändern und Löschen.
  • Bestätigen: Der Anwender bestätigt z.B. eine Meldung vom System „Wollen Sie wirklich…“.
  • Auswählen: Der Anwender wählt aus einer Menge von Optionen aus.
  • Drucken: Das System erstellt ein PDF oder druckt auf einem Drucker aus.
  • Anzeigen: Das System zeigt Informationen am Bildschirm an.
  • Senden: Das System sendet Daten an ein anderes System.
  • Empfangen: Das System empfängt Daten von einem anderen System.

Sie werden sich wundern, wie viele Grobkonzepte mit diesen wenigen Verben geschrieben werden können. Probieren Sie es aus.

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